Holla die Waldfee, wir sind wieder unterwegs. Juhuuu! Ich hoffe ihr habt uns schon vermisst. 🙂
Leider dieses Mal „nur“ ein paar Wochen, aber durch die großzügige Möglichkeit auch aus der Ferne arbeiten zu können (Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Arbeitgeber!), fühlt sich die Reise deutlich länger an. Nach kurzem Zwischenstopp am Bodensee, verbrachten wir eine Woche in Südtirol. Der Tagesablauf war recht eintönig: Um 06:00 Uhr klingelte der Wecker, um 06:30 Uhr stellten wir ungläubig fest, dass schon 30 Minuten vergangen waren, in denen wir immer noch im Bett lagen und um 07:00 Uhr rafften wir uns dann erstmals auf um einen ersten Blick auf die umliegenden Berge zu erhaschen. Danach hieß es dann „Arbeit, Arbeit, Arbeit“. Romy schlief die meiste Zeit – wie unfair.
Wir dagegen hämmerten auf unsere Tastaturen ein oder führten Selbstgespräche mit unseren Headsets.
Das dachten zumindest die umliegenden Nachbarn. Die wohlverdiente Mittagspause verbrachten wir in den umliegenden Restaurants. Danach hieß es wieder „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ bis gegen 17:00 Uhr der Swimmingpool rief. Und so verbrachten wir die ersten Tage. Ihr seht: absolut nichts spannendes … bis ich eines Tages kurz vor der Mittagspause aus dem Bus stolperte und einem bekannten Gesicht über den Weg lief. Dachte ich zumindest. Nach einem kurzen prüfenden Blick auf das Autokennzeichen ließ ich allerdings meinen Verdacht wieder fallen. Das passte nicht so richtig zusammen. Meinem Verdachtsfall ging es ähnlich: Er schaute mich mehrmals prüfend an und ließ den Gedanken dann ebenfalls wieder fallen. Dann jedoch rief er auf einmal meinen Namen. Ich drehte mich um und ab da gab es keine Zweifel mehr – ich hatte auf einem Campingplatz mit mehr als hundert Plätzen, ein bekanntes Gesicht als direkten Nachbarn. Und dieses bekannte Gesicht entpuppte sich als mein Kollege.
Später stellte sich dann noch heraus, dass er nicht nur mein Kollege war – aber später mehr. Wie dem auch sei, er verbrachte dort seinen Urlaub während wir arbeiteten. Und so verging ein Tag nach dem anderen.
Bis ja … bis ich auf einmal ein riesiges „Wumms“ auf unserem Autodach hörte.
Und unser Bus ins Schaukeln geriet. Na nu, was war denn das? Wir parkten im Schatten eines großen Baumes. War das etwa ein Ast? Ich blickte aus dem Fenster und erblickte Daniel, wie er in der Luft herumfuchtelte um irgendetwas vom Fahrzeugdach herunter zu locken. Moment mal, irgendetwas? Jemanden! Na klar, Romy! Ich glaubte es nicht. Romy hatte ihre Kletterfähigkeiten auf dem nahe gelegenen Baum trainiert, dabei aber vergessen, dass sie auch wieder herunter klettern musste. Und da schien die Abkürzung über das Fahrzeugdach die deutlich entspanntere Route zu sein. Während sie mit Fell und Nase unser Dach bzw. unsere Solarzellen reinigte und alles ausgiebig beschnupperte, wandte ich mich wieder meinem Bildschirm zu.
Doch plötzlich wurde ich erneut unterbrochen. Ein lauter Schrei „Nein, Romy! Nein!“, das von einem langgezogenen Ratschen begleitet wurde, ließ mich aufhorchen. Genervt verdrehte ich die Augen. Das hieß nichts Gutes. Und mein Blick aus dem Fenster bestätigte es. Romy hatte beim Abgang von unserem Fahrzeugdach unser Sonnensegel in ein grobmaschiges Fischernetz verwandelt. Anfangs war sie noch ohne ihre Krallen darauf herum getabst bis eine Fliege ihren Jagdinstinkt weckte und sie ihre Krallen schon mal für den Beutefang wetzte. Na ja, blöderweise war da eben das Sonnensegel im Weg. Und noch dazu, wie das ja so im Leben oft ist, kündigte sich für den darauffolgenden Tag Regen an. Ich muss dazu sagen, dass wir unser Sonnensegel auch gerne nutzen um uns vor Regen zu schützen. Denn nichts ist ätzender als im Matsch zu sitzen. Die Campingfreunde kennen das.
Jedenfalls hatte sich unser Regenschutz ins Nirwana verabschiedet. Na ja, immer positiv bleiben: Romy hatte sich nicht verletzt. Sie schlidderte schließlich – nach zu später Einsicht – doch lieber über die Windschutzscheibe zurück auf sicheren Boden. Während Romy ihre Pfötchen säuberte, überlegten wir wie wir uns wenigstens etwas vor dem kommenden Regen schützen könnten. Und da war er – der Geistesblitz: mit Klebeband! Das gute alte Klebeband. In vielerlei Hinsicht einsetzbar und als Provisorium für einen Tag sehr gut geeignet. Also verschwand Daniel in den Katakomben unseres Kofferraums. Sachen wurden von A nach B geräumt. Taschen durchwühlt, Türen auf und zu geworfen, Sitze hochgeklappt, doch ein Klebeband war nirgends zu finden. Das durfte doch nicht wahr sein. Klebebänder – in 10-facher Ausfertigung zu Hause lagernd, aber eben zu Hause und nicht hier, da wo man es braucht …. Dass der nächste Baumarkt 15 km entfernt, 350hm tiefer unter uns und in 30 Minuten geschlossen war, brauche ich nicht zu erwähnen …
Also Plan B. Doch was war Plan B?
Unsere Gehirne liefen auf Hochtouren. Die Risse zusammenknoten? Zusammennähen? Alles abbauen? Einmal im Kreis hüpfen und auf besseres Wetter hoffen? Und endlich — da war er, der nächstgelegene Gedanke, den Nachbarn nach Klebeband fragen. Ihr erinnert euch, wer unser Nachbar war? Ja, genau. Denn wenn ich eins weiß, dann dass mein tüftlerischer Kollege bestimmt ein Klebeband dabei hat. Und siehe da: Mein Kollege wurde zum Retter in der Not und borgte uns ein Klebeband. Die Plane hielt dem Dauerregen stand und wir konnten ein paar Tage später ein neues Sonnensegel im 350hm tiefer gelegenen Campingshop ergattern. Dass mein voll geladener eBike-Akku nach dem Wiederaufstieg bei höchster Unterstützung (sorry, anders hätte ich es nicht geschafft) nur noch 10% anzeigte, obwohl ich im niedrigsten Gang radelte, zeigt mit wie viel Anstrengung der Kauf verbunden war. Anstrengend Berg auf geht‘s weiter, allerdings das nächste Mal mit einer anderen Art von Belohnung.

Bleibt gespannt!
Übrigens, Impressionen von Romys Dachausflug findet ihr auf unserem Instagram Account: CatOnTour
Hallo Ihr beiden,
toll, dass Ihr wieder auf Tour seid. Ich bin gespannt, wo es Euch diesmal hinzieht und freue mich auf weitere Berichte.
Ganz liebe Grüße aus der inzwischen doch etwas herbstlichen Heimat!
Moderne Kunst von Romy mit Klebeband veredelt…. Vllt könnt ihr damit euren Urlaub finanzieren?! Vllt träumt sie aber auch von einem kleinen Katzenregencape (die Löcher sind für die Gliedmaßen), damit sie im Regen über den Campingplatz tanzen kann?
…super geschrieben, ich wusste gar nicht, dass du eine so kreative Geschichtsschreiberin bist. Richtig spannend und interessant…ich habe auch das Gefühl … es wird immer besser.