Mittlerweile hat uns seit einigen Monaten der Alltag wieder und ihr musstet lange auf das Gran Finale warten, aber nun kommt es. Viel Spaß beim letzten Blogeintrag unserer Europatour 2024.
Mann oh Mann.
Hinter uns liegen ein paar nervenzerreißende Stunden. So viel wie in diesen 48 h ist während unserer gesamten Reise nicht passiert. Alles begann in Frankreich im Tal der Moskitos. Wir planten die Anfahrt zu unserem letzten Etappenziel. Dieses lag nordöstlich. Soweit alles super bis auf die klitzekleine Sache mit der Mietwagen-Rückgabe. Die Rückgabestation lag 50 km westlich von unserem Startpunkt. Das bedeutete wir mussten 50 km in den Westen „zurückfahren“ um anschließend das letzte Etappenziel im Osten zu erreichen. 100 km Umweg. Juhu! Was hatten wir uns damals bei der Buchung nur gedacht? Insgesamt warteten also anstatt der „eigentlich“ ca. 500 km nun 600 km auf uns. Trotzdem oder gerade deshalb ermutigten wir uns. Einfach früh losfahren und dann wird das ein Kinderspiel. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir allerdings noch nicht die Öffnungszeiten der Rückgabestation überprüft. Diese öffnete ausgerechnet an diesem Tag erst um 12:30 Uhr! Früh aufstehen und früh losfahren um früh anzukommen war damit schon mal gestrichen.
Egal, wir schaffen das trotzdem!
Dann nutzen wir eben die Zeit bis zur Rückgabe um Romys Katzenfutter beim Händler unseres Vertrauens zu kaufen um dann pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk beim Verleiher um 12:30 Uhr auf der Matte zu stehen. Bis 23:00 Uhr wäre dann ja noch jede Menge Zeit beim Campingplatz einzuchecken. So zumindest die Theorie.
Aber wie das nun mal so ist – zumindest bei uns – wird es trotz Vorhaben oftmals später und irgendwie immer ganz anders als man es sich vorgestellt hat. Ihr kennt das ja vielleicht. Jedenfalls packten wir früh am Morgen unsere Habseligkeiten zusammen (Daniel begleitet von 100 Moskitostichen draußen und ich drinnen mit einer quengelnden Romy). Abschließend noch schnell den Abwassertank leeren und Frischwasser auffüllen. Mittlerweile waren wir sehr routiniert und wie das so mit Routinen ist, macht man alles mit links oder blind wie im Schlaf.
Während Daniel mit links unseren Frischwassertank füllte, brachte ich mich schon mal beim Wasserhahn in Position.
Ich war bereit den Wasserhahn jederzeit wieder zuzudrehen und wartete nur noch auf Daniels Kommando. Währenddessen vertrieb ich mir die Zeit mit Schilder-Lesen. „Put your garbage here“, „no plastic“, „no drinking water“, „Paper“. Moment mal: „no drinking water“ Ich erwachte aus meinem Blindheits-Schlaf. Das ist doch jetzt nicht das Wasser, das wir gerade in unseren Van pumpen? Ihr ahnt es bestimmt schon. Doch. Genau mit diesem „no drinking water“ hatten wir unseren Frischwassertank zu 3/4 gefüllt. Yeah!
Wie bekommen wir nun dieses Brackwasser wieder aus unserem Frischwassertank? Schließlich trinken wir daraus.
Lange konnten wir nicht überlegen, da wir ausgerechnet heute – dreimal dürft ihr raten – eins nicht hatten: ausreichend Zeit zum Nachdenken. Also blieb nur eins: Zusammenpacken und schleunigst losfahren. Dann eben mit Brackwasser anstatt Frischwasser. Insgesamt lagen wir schon 30 Minuten hinter dem Zeitplan. Aber Daniel hatte – Safety First – einen Puffer eingeplant. Dann geben wir das Mietauto eben um 13:00 Uhr zurück. Alles kein Problem.
Die Rückgabe verlief – außer 10 min Wartezeit – problemlos.
Inzwischen lagen wir nun 40 Minuten hinter dem Zeitplan. Alles noch im grünen Bereich. Als nächstes stand Romys Katzenfutter auf dem Programm. In Cannes lag der Händler unseres Vertrauens nahe der Autobahn. Lediglich 5 Minuten Umweg. Super! Also nichts wie hin. Dort begrüßte uns – wie so oft – ein höhenbeschränkter Parkplatz. Nach einigem Gekurve fanden wir einen sehr engen nicht höhenbeschränkten Parkplatz, der aber wegen eines Baumes und dessen prächtigen Ästen (eigentlich ja dann auch höhenbeschränkt) für uns ebenfalls nicht befahrbar war. Also wieder umdrehen. Zu unserer grenzenlosen Begeisterung ging es beim Umdrehen im Zentimeterbereich vor und zurück. Im Nachhinein bin ich äußerst dankbar, dass wir nicht noch einen Auffahrunfall verursacht haben. Nach 30 Minuten waren wir der Enge entkommen und fanden schlussendlich einen anderen Parkplatz. Inzwischen waren wir deutlich hinter dem Zeitplan und unser Puffer schrumpfte von Minute zu Minute. Aber noch alles gut, wenn wir zügig weiterfahren, schaffen wir es bis 23:00 Uhr.
Nach diesem einmaligen Shoppingerlebnis ging’s weiter auf der Autobahn in Richtung Italien.
Bis Ligurien verlief alles problemlos. Aber leider verschlechterte sich das Wetter so dermaßen, dass es innerhalb weniger Stunden stürmte, regnete und wir noch dazu im größten Stau unserer bisherigen Reise landeten. Wir standen ca. 2 h auf den Brücken Liguriens – zum Glück besser gebaut als die im nahe gelegenen Genua …
Anfangs konnten wir hin und wieder die atemberaubende Aussicht auf die Küste Liguriens durch die stark wankenden LKWs erhaschen, aber leider wurde es schnell dunkel. Unser Navi zeigte inzwischen 23:15 Uhr als Ankunftszeit an. Die Enttäuschung war groß. Am Ende wegen läppischen 15 Minuten nicht auf unseren Stellplatz zu gelangen. Das schmeckte bitter und wir wollten es auch nicht so einfach hinnehmen. Unser Ehrgeiz war geweckt. Dann hieß es eben ab jetzt: 15 Minuten auf dem letzten Streckenabschnitt wieder aufholen. Pausen sind gestrichen. Das schaffen wir! Und so rasten wir mit Höchstgeschwindigkeit in zahlreichen Kurven durch Tunnel oder auf Brücken und versuchten nebenbei noch Sturm und Regen zu trotzen.
Die letzten Autofahrtminuten waren die schlimmsten unserer gesamten Tour.
Romy miaute fast unentwegt in ihrem Rucksack und raubte uns die letzten Nerven. Doch endlich erreichten wir unser Etappenziel pünktlich um 23:00 Uhr – kein Witz! Ich hechtete mich in die Rezeption. Dort wurden wir nach einer ausgiebigen italienischen Diskussion unter den Campingplatzmitarbeiter:innen, wie man uns den Zugang zum Stellplatz bestmöglich zu dieser späten Stunde noch ermöglichen konnte, auf den Campingplatz gelassen. So dachten wir zumindest. Allerdings wurden wir erstmal auf einen Golfcaddy verfrachtet und der Nachwächter fuhr uns in den Bereich unseres gebuchten Stellplatzes, damit wir im Dunkel der Nacht und ohne die anderen Gäste zu stören unseren Stellplatz aussuchen konnten. Eigentlich wollten wir nur irgendwo unser Fahrzeug abstellen und einfach nur noch schlafen. Aber nun befanden wir uns auf Entdeckungstour mit dem Golfcaddy und die quengelnde Romy blieb im Van zurück. Der Nachtwächter nahm sich alle Zeit der Welt jeden einzelnen freien Parkplatz anzufahren und zu kommentieren. Als Guide hätte er auch arbeiten können. „Hier Gras schön.“ „Hier nahe Wasser.“
Wieder zurück im Van fuhren wir erleichtert auf unseren Stellplatz und freuten uns, dass wir uns endlich ausruhen konnten.
Wir schliefen tief und fest bis wir früh morgens von einem penetranten Klopfen geweckt wurden.
Es hörte einfach nicht auf. Im Halbschlaf dämmerte mir, dass jemand an unsere Fahrzeugtür klopfte. Verschlafen öffnete ich die Tür. Vor mir stand eine Mitarbeiterin des Campingplatzes, die uns erklärte, dass wir hier nicht stehen dürften. Das wäre nicht unser Platz. Senore Nachtwächter alias Golfcaddyfahrer von gestern Abend hatte ja einen tollen Job gemacht. Immerhin wussten wir jetzt, wie unser Morgenprogramm nun aussah: Umparken und erneut aufbauen. Juhu!
Nach einem Sprung ins kalte Lago di Garda Wasser waren die Anstrengungen der letzten Stunden vergessen.
Mit wiedergewonnener Energie ging Daniel Radfahren (siehe folgende Videos)
und wir mieteten uns – dreimal dürft ihr raten – eine Vespa für mehrere Tage. Auf ging’s von Lazise nach Bardolino. Denn was gehört noch zum Bella-Italia-Feeling? Mangare! Und das wollten wir in Bardolino.
Gestärkt vom Essen machten wir uns auf den Rückweg zu unserer Vespa. Allerdings fing es genau in diesem Moment stark an zu gewittern. Wir fanden mit zahlreichen anderen Touristen Schutz unter einem Torbogen. Und so warteten wir in leichter Sommerbekleidung bis der Regen aufhörte. Aber der Regen hörte nicht auf. Nachdem wir genug gewartet hatten und der Himmel auch noch nach einigen Minuten nicht nach einem Wetterumschwung aussah, bissen wir in den sauren Apfel: Wir liefen im Regen zu unserer Vespa.
Dort angekommen, versuchten wir notdürftig die Wasserfluten zumindest etwas vom Sitz zu vertreiben. Jetzt einfach nur schnell nach Hause fahren und etwas Trockenes anziehen. Daniel drehte den Zündschlüssel. Keine Reaktion. Wahrscheinlich falsch gestartet. Einfach nochmal den Zündschlüssel umdrehen. Wieder keine Reaktion. Ja gut, dann müssen wir halt anschieben. Geht das überhaupt bei einer Vespa?
Inzwischen startete neben uns ein italienisches Pärchen ihr Motorrad. Auf die Frage, ob sie uns helfen könnten, versuchte nun auch der erfahrene Motorradfahrer unsere Vespa wieder in Gang zu bringen. Schließlich brach er ab und meinte, dass es bestimmt die Batterie sei und wir da leider gar nichts machen könnten außer unseren Verleiher anzurufen. Und so riefen wir um 23 Uhr unseren Verleiher an, der selbstverständlich zu dieser Uhrzeit – ihr ahnt es bereits – natürlich nicht mehr ans Telefon ging. Na super. Dann müssen wir die Vespa wohl stehen lassen und auf ein Taxi umsteigen.
Die gute Nachricht: Wir standen mit unserer Vespa nahe einer Taxi-Haltestelle.
Die schlechte Nachricht: Es war weit und breit – auch nach einigen Minuten Wartezeit im Regen – kein einziges Taxi zu sehen. Vorbeifahrende Taxis hielten trotz Winkens nicht an und die Hotline der Taxi-Zentrale war ebenfalls nicht besetzt. Was nun? An der Kreuzung vor uns befand sich ein Restaurant. Vielleicht konnten uns die Einheimischen dort weiterhelfen? Also liefen wir schnurstracks in die „Speck Stube“. Ein Restaurant in das wir zugegebenermaßen in Italien nicht gehen würden. In Bayern vielleicht schon, aber eben nicht in Italien.

Im Restaurant baten wir einen der Kellner ein Taxi zu rufen. Inzwischen waren wir deutlich durchnässt und ich fror deutlich sichtbar in meiner leichten Sommerkleidung. Auf Regen waren wir offensichtlich nicht eingestellt gewesen. Der Restaurantbesitzer legte sich richtig ins Zeug und telefonierte ein Taxiunternehmen nach dem anderen durch. Nur leider jedes Mal ohne Ergebnis. So ein Mist. Verzweifelt gab er auf und wir stellten uns dieses Mal deutlich enttäuscht und frustriert erneut an die Straße mit der Hoffnung, dass irgendwann in grauer Zukunft schon irgendein Taxi anhalten wird.
Und wir hatten Glück: ein Auto hielt an, aber es war kein Taxi.
Eine Tür flog auf und jemand winkte uns ins Auto. Skeptisch traten wir näher und fanden dort den Restaurantbesitzer der Speck Stube hinter dem Steuer wieder. Er bedeutete uns, dass er uns nach Hause fahren würde. Wie lieb ist das denn bitte? Wir waren überwältigt von so viel Freundlichkeit! Noch dazu drehte Artan die Heizung extra warm auf. Wir kamen ins Gespräch und so erzählte er uns, dass er ursprünglich aus Albanien komme und mittlerweile schon seit vielen Jahrzehnten in Italien lebe. Als wir ihm etwas Geld geben wollten, lehnte er vehement ab. Das sei doch selbstverständlich. Im Gegenzug versprachen wir ihm am nächsten Tag bei ihm in der Speck Stube zu Abend zu essen. Genau das machten wir dann auch und es schmeckte super! Also Speck Stube geht auch in Italien! Herzlichen Dank an dich, Artan! Du warst unser bester Engel und damit unser absolutes Tour-Highlight! Wenn ihr mal in Bardolino seid, freut sich Artan über euren Besuch in der Speck Stube. Vielleicht treffen wir uns ja dort zufällig …
Zum Ende unserer Tour bleibt nur noch eins zu sagen: Herzlichen Dank an alle, die uns 84 Tage durch 8 Länder auf 13.000 km begleitet haben. Danke für’s Mitfiebern und Kommentieren! Vielen Dank auch an unsere „Engel“ Artan, die Mitarbeiterin des Monats, den Bretonen, der uns ungefragt einen Stuhl anbot und die vielen anderen Menschen und Tiere, die unsere Reise unvergesslich gemacht haben.
Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.
Guy de Maupassant
Wir sind sehr dankbar, dass wir diese tolle Tour machen konnten und wir alle drei gesund und munter wieder zu Hause angekommen sind.
Wir melden uns wieder, sobald die nächste Tour beginnt. Wer das nicht verpassen will, kann hier unseren Reiseblog abonnieren.
Bleibt gespannt! 😉

Wow, was für aufregende Wochen! Am Schluss war es ja alles andere als langweilig. Schön, dass ihr wieder gut zu Hause angekommen seid. Da konnte man richtig mit fiebern. Die Videos waren auch toll.
Toller Beitrag ❤️ vielen Dank an euch, für die Mühe die ihr euch gemacht habt uns teilhaben zu lassen.
Die Beiträge sind eine Bereicherung und haben uns sehr viel Freude bereitet, nochmal danke 🙏🏻
P.S. Ich liebe euer Abschlussbild, legendär!!
Juhuuu, endlich das Grande Finale!! Wir freuen uns auf einen gürkastischen Urlaub mit euch – da drehen wir dann auch ein Video, oder?