Die besten Pommes kamen zu spät
Die besten Pommes kamen zu spät

Die besten Pommes kamen zu spät

Ja, wir waren nochmals in den Niederlanden, weil es uns dort unglaublich gut gefallen hat.

Die Niederlande ist ein wunderschönes und freundliches Reiseland. Die dortigen Campingplätze sind mit sehr viel Liebe gestaltet. Oft hat man auch sehr viel Platz, was wir in der großzügigen Form tatsächlich ausschließlich dort erlebt haben. Also ein Paradies für Camper und im Übrigen auch für Radfahrer, darauf komme ich gleich nochmals zurück. Erinnert Ihr euch an den letzten Beitrag „Grillen und Chillen“? Da war doch trotz all der Begeisterung noch ein Störfaktor.

Ja richtig, der Motorenlärm. An einem einzigen Tag im ganzen Jahr wurde die Idylle durch den ohrenbetäubenden Lärm gestört und genau da hatten wir unwissentlich gebucht. Also hieß es: Wir entfliehen dem Lärm und unternehmen etwas! Was Larissa gemacht hat, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag. Ich hingegen wollte unbedingt mal wieder sportlich mit meinem Rad unterwegs sein und auf das Radler-Paradies Niederlande freute ich mich sehr. Es ist ein Traum, wenn man dort auf den perfekt ausgebauten Radwegen unterwegs ist. So etwas wünscht man sich als Radler wirklich überall. Entsprechend viele Gleichgesinnte sah ich unterwegs. 

Meine Rundtour führte mich

von einem idyllischen Dorf zum nächsten. Dazwischen ging es durch eine malerische Hügellandschaft. Obwohl es dort keine richtigen Berge gab, habe ich doch durch das Hoch und Runter gute 1.000 Höhenmeter auf ca. 80 km gesammelt. Darunter war auch ein richtig steiler Anstieg. Wenn ihr wissen wollt, wie ich den gemeistert habe, dann schaut euch das folgende Video gerne an.

Der steilste Anstieg der Tour (22 %)

Ich trat also vor allem im ersten Drittel meiner Tour mit viel Power in die Pedale. Das hat Spaß gemacht und ich fühlte mich wie das nächste große Radfahrtalent. Nicht mehr weit vom ersten Tour-de-France-Sieg entfernt. Naja und was soll ich sagen, nach einem Hoch kommt dann doch auch wieder ein Tief. Die vielen kleinen Anstiege machten sich so nach und nach bemerkbar. Es wurde immer anstrengender und dann ging auf einmal so rein gar nichts mehr. Sämtliche Kraft und Energie war schlagartig verschwunden. Ich lernte den „Hungerast“ oder den „Mann mit dem Hammer“ höchstpersönlich kennen.

Wer ist denn nun bitte der „Hungerast“?

Dazu kann ich nun mit voller Überzeugung sagen: Um es richtig zu verstehen, muss man es selbst erleben. Oder soll ich sagen, es selbst ausprobieren? Denn letzten Endes hatte ich genau das gemacht. Ich hatte es ausprobiert. Damit meine ich, dass ich gewissermaßen auch selbst Schuld war. Ich war nämlich ohne Frühstück losgefahren und dachte mir: Die Kalorien hebe ich mir auf und esse unterwegs einfach leckere Pommes. Die sollen in den Niederlanden doch so gut sein. Für den Notfall habe ich zwar immer noch einen Power Riegel dabei (Safety first!), diesen hatte ich aber viel zu spät gegessen. 

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Bitte nicht nachmachen! Ich bin kein Mediziner, aber ich denke es ist eher ungesund und kann vielleicht auch gefährlich sein. Es ist in jedem Fall nicht sehr schlau, es darauf ankommen zu lassen, einen „Hungerast“ zu bekommen.

Ohne Frühstück loszufahren, das hatte ich bereits schon sehr oft gemacht. Bei einer Tour von 1 – 1,5 Stunden Fahrzeit funktioniert das bei mir auch sehr gut. Mein Körper hat da oft noch ausreichend Energiereserven vom Abendessen des Vortags. Nur wenn ich deutlich über 3,5 Stunden unterwegs bin, dann muss ich bereits nach spätestens einer Stunde Energie zuführen. Dafür sind Power Gels oder Riegel sehr gut geeignet, aber diese schmecken einfach nicht so gut wie Pommes!

Die leckeren Pommes waren ca. 2 Stunden Fahrzeit entfernt.

Also kamen sie viel zu spät und somit ging mir die Energie ganz plötzlich flöten. Von einer Sekunde auf die nächste, bin ich vom nächsten Tour-de-France-Sieger zum E-BikeFahrer avanciert. Da mein Rad selbstverständlich keinen Motor hat, bin ich also kaum mehr von der Stelle gekommen. Ich fühlte mich völlig leer und schleppte mich also nur noch im Schneckentempo zu der wohl besten Pommesbude weltweit.

Die handgeschnittenen und frisch zubereiteten Pommes waren absolut köstlich und der Hungerast war auch direkt wieder gegessen. Dachte ich zumindest. Denn als ich wieder aufs Rad stieg, merkte ich nach ca. 10 Minuten, dass die Energie doch nicht so plötzlich wieder zurückgekehrt war. Die Euphorie, ausgelöst durch das Erreichen meines Zwischenziels und das Wissen darüber, die besten Pommes meines Lebens verspeist zu haben, hatten mich kurz gepusht. Nur dann waren die Auswirkungen des Hungerastes wieder zurück. Da half dann auch kein Energieriegel mehr.

„Du musst einen Hungerast unbedingt durch präventives Essen vermeiden. Wenn du ihn hast, dann ist es zu spät.“, hatte ich schon oft von Freunden gehört. Und ja, ihr hattet Recht.

Der restliche Rückweg war eine Qual, trotz hervorragender Radwege durch eine nach wie vor malerische Landschaft. Ich konnte mich auch nicht mehr über die Hügel freuen und beim letzten Anstieg habe ich dann auch noch schmerzhafte Krämpfe in beiden Oberschenkeln bekommen. Ab diesem Zeitpunkt bin ich fast rückwärts gefahren, so langsam war ich. Noch heute frage ich mich: Wie bin ich überhaupt zum Campingplatz zurückgekommen?

Zum Vergleich:

Für den letzten Anstieg kurz vorm Campingplatz habe ich an diesem Tag 11:38 Minuten gebraucht. Für Radbegeisterte: Das waren im Durchschnitt 114 Watt Leistung für diesen Zeitraum. Am nächsten Tag auf der gemeinsamen Tour nach Maastricht – mit Larissa in Alltagskleidung – haben wir 05:10 Minuten für den gleichen Anstieg gebraucht. Das waren durchschnittlich 282 Watt Leistung. Und ja, da hatte ich ganz bewusst nochmals Gas gegeben. Mir war egal, dass die Jeans danach in die Wäsche musste und meine schönen Schuhe darunter litten. Schließlich war da noch eine Rechnung von gestern offen. Gleichzeitig zeigt der Zeitunterschied deutlich, was es ausmacht, wenn man vor und während einer Radtour zu den richtigen Zeitpunkten isst.

  • In Alltagskleidung auf einem Sportgerät.

Wir hatten vor unserer gemeinsamen Tour gut gefrühstückt, ließen es auf den meisten Abschnitten auch ruhiger angehen und genossen nochmals die Highlights in Maastricht. Das war ein sehr schöner gemeinsamer Abschluss unseres wieder einmal viel zu kurzen Aufenthalts in den Niederlanden. Danach ging es weiter in den Süden. Bevor wir über den nächsten Halt erzählen, nimmt euch Larissa mit auf ihre Entdeckungstour. Bleibt gespannt! 

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4 Kommentare

  1. Carsten

    Dass man ohne Frühstück nicht losfahren sollte hätte ich dir auch sagen können :p Ich hab das auch ein paar Mal gemacht und war bei den ersten Anzeichen froh, einen Müsliriegel dabei zu haben. Der hat mir bei meinen Touren zum Glück immer gereicht. Zum Glück bist du trotzdem noch gut am Camper angekommen. Bei der Beschreibung leidet man auf jeden Fall mit.

  2. Die Gürkies

    Selbst Schuld, hehe…. Warum fährt man auch Fahrrad? Markus würde jetzt was anderes sagen, aber ich habe die Schreibrechte 😉

    Danke für die tollen Berichte – es ist immer erfrischend, eure Abenteuer mitzuerleben!

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