Während Daniel die Schweißtropfen von der Stirn rannen, radelte ich sehr sehr seeeehr gemütlich in Richtung Maastricht und traf abends sogar noch auf die Mitarbeiterin des Monats.
Hey, was hattet ihr erwartet? Sehr klischeehaft, aber wahr. Ich bin eben eine Frau. Ich liebe es durch Städte zu bummeln, zu fotografieren und mal nicht auf die Uhr schauen zu müssen. Zugegeben meine Erkundungstouren ergeben sich oft spontan, wirken auf manche chaotisch und erwecken den Eindruck ich würde mich alleine nicht zurecht finden, aber da kann ich euch beruhigen. Bisher habe ich immer meinen Weg gefunden, auch wenn es selten der kürzeste war.
Übrigens, der einzige Grund für mich überhaupt Fahrrad zu fahren, ist für mich die Umgebung besser wahrnehmen zu können als im Auto. Daniel liebt es schweißnass von einem Berg zum anderen zu rasen, während ich es liebe eher in Schlangenlinien die Welt gemütlich zu betrachten. Ihr seht schon, dass in einer Beziehung viele Kompromisse nötig sind. Aber heute waren wir mal kompromisslos, egoistisch und selbstsüchtig unterwegs. Juhu!
Ein paar Minuten – vielleicht waren es auch Stunden? – erreichte ich das Stadtzentrum.
Ein wahres Paradies an alten Gebäuden, Straßen, Läden, Restaurants und Cafés. Ich fühlte mich wie in einer kleinen Version von Amsterdam. Überall Fahrräder, die in Pulks chaotisch am Straßenrand parkten und ich mittendrin. Mega! Ab jetzt ging’s zu Fuß weiter. Meine Tour führte mich u.a. in einen Buchladen, der in einer ehemaligen Kirche errichtet wurde. Wie originell ist das denn bitte? Sehr cool! Im hinteren Teil gibt es sogar ein kleines Café. Ein toller Ort für Bücherfans.


Stöbern macht durstig und so drehte ich auf der Suche nach einer Erfrischung eine Runde durch die Straßen. Rivella beendete meine Suche, indem mir die freundlichen Marketing-Mitarbeiter ein Getränk schenkten. Die Kampagne hat gewirkt, Rivella ist nun auf unserem Blog und in den Köpfen unserer lieben Leser gelandet. Jetzt denkt ihr bestimmt, dass das die Mitarbeiter des Monats waren. Weit gefehlt!

Auf dem Rückweg musste ich noch eine Sache für die Gemeinschaft erledigen: unser Abendessen einkaufen.
Auf dem Hinweg hatte ich schon einen Supermarkt erspäht. Dort angekommen, meldete sich ausgerechnet jetzt meine Blase. Ist ja irgendwie immer so. Aber keine Bange -in Supermärkten gibt es ja eine Toilette – dachte ich bis dahin zumindest. Doch ich fand einfach keine Tür, auf der die goldenen Buchstaben „Toilet“ eingraviert waren. Also marschierte ich schnurstracks zu den beiden Kassiererinnen und erzählte, dass ich hier gerne etwas einkaufen möchte, vorher aber noch auf die Toilette müsste. Die Damen schauten mich prüfend an als ob sie denken würden: „Die will hier doch nur auf die Toilette und dann gleich wieder verschwinden. Von wegen einkaufen, ppff!“
Jetzt wechselten sie Blicke untereinander und begannen auf niederländisch miteinander zu reden. Oh je – vielleicht sollte ich doch nochmal bekräftigen, dass ich hier wirklich sehr gerne Premium-Kundin werden wollte. Auf einmal verstummte das Gespräch und eine Mitarbeiterin bedeutete mir ihr zu folgen.
Puh – geschafft. Ich atmete auf und folgte ihr. Aber wohin gingen wir? Hatte sie mich richtig verstanden? Wir liefen einmal quer durch den Laden und verschwanden in der Tür hinter der Käsetheke. Hier soll die Toilette sein? Das müssen sie aber besser ausschreiben und vielleicht den Platz überdenken? Hinter die Käsetheke traut sich doch niemand. Es ging durch zahlreiche Türen und Flure schnurstracks in die Katakomben des Supermarkts. Da fiel bei mir der Groschen. Ich war in den Mitarbeiterbereich geschleust worden.
Schließlich hielten wir vor einer Tür und die Mitarbeiterin bedeutete mir, dass ich dort auf die Toilette gehen könne. Ich dankte ihr und gab ihr allerdings verzweifelt zu bedenken, dass ich den Weg zurück durch die vielen Türen und Flure wahrscheinlich erst nach ein paar Stunden wiederfinden würde. Sie beruhigte mich und meinte, dass sie auf mich warten würde um mich wieder zurück zu begleiten. Was für ein Service! Ich war erleichtert!
Ich dankte der Mitarbeiterin noch gefühlte 10x und kaufte natürlich extra viel für unser Abendessen ein. Das, liebe Leser, war die Mitarbeiterin des Monats! Vielen Dank an Jumbo und seinen erstklassigen Service! Auch hier hat das positive Kundenerlebnis das Image gestärkt!
Bewaffnet mit Salat, Gemüse, Antipasti und einem Baguette düste ich (dieses Mal schneller, Daniel hatte Hunger) vollgepackt nach Hause und betete, dass das Baguette bei der Fahrt durch tausende Schlaglöcher heil blieb und dass es überhaupt noch nach der letzten steilen Abfahrt bei 50 km/h einigermaßen im Fahrradkorb steckte. Ich hatte Glück. Daheim angekommen hatte ich dann zwar zwei Baguettes, aber zwei sind doch besser als (k)eins, oder etwa nicht?
Es ist einfach herrlich Euch auf der Reise zu begleiten. Eure Texte sind so erfrischend und unterhaltsam 🥰!
Weiter Vergnügen und viele schöne Begegnungen, das wünsche ich Euch 🤗!
Vielen lieben Dank! 🥰
Sind die Niederlande und die Schweiz Geschwister-Länder? Jumbo ist ein Baumarkt in der Schweiz und Rivella (schmeckt glaub anders als deins) trink ich in jedem Skiurlaub,… hach. Die Welt ist klein und verrückt 🙂
P.S. Besser Pinkelrast als Hungerast, oder?
Wir sind doch alle Brüder und Schwestern. Und ja, die Pinkelrast ist eindeutig zu bevorzugen! 😉
Larissa, dein Bericht hätte jetzt auch von mir sein können. Irgendwie scheinen wir etwas gemeinsames zu haben…. wo das wohl herkommt?
Es kam mir alles sehr bekannt vor…
Freue mich schon auf die nächste Nachricht🥰
Da bin ich auch ratlos… woher das wohl sein kann? 😉
Lieber Daniel,
schön, dass es Euch gut geht.
Telefoniere gerade mit Moni…und wir geben dir einen gut gemeinten rat!
Verlängere das Sabbatical so lange du kannst 🙂
Ihr zwei seid ja lustig. Kopf hoch – alles wird gut. Ich freue mich schon euch wiederzusehen!
Schön zu hören, dass es noch hilfsbereite Mitarbeiter gibt. Das hätte wahrscheinlich nicht jeder gemacht. Die Bücherei in der alten Kirche sieiht echt interessant aus.
In der Tat, ich war auch ganz von den Socken. 😉