Von Giraffen und Bären
Von Giraffen und Bären

Von Giraffen und Bären

An Fahrtagen bietet es sich für uns meistens an auf dem Weg einkaufen zu gehen. Mit dem Auto ist das deutlich angenehmer als mit dem Fahrrad. Zumal manche Fahrradwege in Frankreich eher einer Motocross-Strecke ähneln als einem befahrbaren Untergrund. Und stundenlang an einer stark befahrenen Straßen fahren, macht ja auch keinen Spaß. 

Dieses Mal stolperten wir zufällig in einen Supermarkt, der sagen wir mal „spezielle“ Verpackungsgrößen hatte. Mozzarella gab es hier nicht in einer gewöhnlichen stinklangweiligen Single-Verpackung, sondern im 3-er Pack und Sonntagsbrötchen in einer XXXL-Packung für mehrere Großfamilien. Anscheinend waren wir in der französischen METRO für Privathaushalte gelandet. Das Highlight wartete jedoch zwischen den Regalen auf uns: Monsieur Ours alias Bär sauste ohne zu murren mit seiner Kehrmaschine an uns vorbei. Dass sich Supermärkte auch in Kuriositätenkabinette verwandeln können, hätten wir nicht gedacht …

Monsieur Ours alias Bär bei der Arbeit
  • Das ist doch mal eine Fischtheke

Nachdem wir unseren Van mit XXL-Packungen voll gestopft hatten, ging es weiter Richtung Süden.

Wir machten Halt im zauberhaften Périgord. Danke für den tollen Tipp, Susanne! Wunderwunderwunderschöööööön!!! Auf diesem Fleckchen Erde ballen sich zahlreiche Burgen und Schlösser in einer hügeligen Landschaft. Durch das Tal fließt glitzernd die Dordogne und ein mittelalterliches Örtchen reiht sich an das nächste. Ich hätte ja am liebsten ein Schloss nach dem anderen besichtigt, aber Daniel konnte ich nur zur Besichtigung des Schlosses „Château de Beynac“ überreden. Immerhin … Er geistert eben nicht so gerne durch verstaubte Gänge. Aber was uns dann doch wieder einte: wir verliebten uns trotz des sehr wechselhaften und überwiegend regnerischen Wetters in diese tolle Gegend und das Zentrum des Périgord Noir: die Stadt Sarlat-la-Canéda. 

Glücklicherweise brauchten wir von unserem Stellplatz nur 10 Minuten zu Fuß in das mittelalterliche Stadtzentrum. Die alte Markthalle (so eine gigantische Tür habe ich noch nie gesehen) und die restaurierten alten Gebäude ließen uns mal wieder staunend durch die Gassen schlendern. Mich natürlich mehr als Daniel. Viele Künstler hatten sich im Stadtzentrum nieder gelassen und so kamen wir u.a. in den Genuss von Ausstellungen und ich ergatterte sogar noch einen original französischen Hut, der in der Nähe produziert wurde.

Es regnet mal wieder ….

Als mal wieder der Himmel verdächtig dunkel wurde und die ersten Tropfen fielen, betraten wir das alte Herrenhaus der Familie de Gisson. Die Aussicht auf ein trockenes Plätzchen im Museum machten dieses Mal meine Überredungskünste bei Daniel überflüssig.

Ausgestattet mit einem Schnellhefter mit deutschen Übersetzungen machten wir uns auf den Weg das Herrenhaus zu erkunden. Wie im Freilichtmuseum – nur eben drinnen und in mittelalterlich – konnten wir erleben, wie man so als Konsul der Stadt lebte. Vom Raucherzimmer (nur für Männer) bis zum Näh- und Stickzimmer (nur für Frauen) war an alles Lebensnotwendige gedacht. Und auch Hightech war bereits vorhanden: So konnten wir in der Küche einen automatischen Drehspieß bestaunen. Nach dem selbstgebauten Bogenbohrer in Roskilde ein weiteres tolles Accessoire, wenn es daheim mal an Strom mangelt.

Der technikbegeisterte Daniel vertiefte sich am Ende noch in den Aufbau der Dachkonstruktion.

Denn die Dächer der alten Gebäude wurden mit großen flachen Steinen abgedeckt. Solch eine Überdachung wie im Herrenhaus wiegt ca. 320 t. Das entspricht 800 kg, die auf 1 m² drücken. Oder anders ausgedrückt: Einer weiblichen Giraffe, die auf einer Fläche von 1 m² sitzt. Jetzt habt ihr eine Ahnung davon, wie viele Steine bzw. Giraffen auf den Dachbalken liegen bzw. sitzen. Dass wir solch eine spektakuläre Dachkonstruktion überhaupt noch bestaunen konnten, verdanken wir dem ehemaligen Kulturminister Malraux, der 1962 das „Malraux Gesetz“ einführte. Das Gesetz subventioniert denkmalgeschützte Gebäude bei der Renovierung. Sarlat diente damals als Pilotprojekt. So konnte die Stadt vor dem Verfall gerettet werden. Jetzt halten die Dächer von Sarlat jedenfalls wieder für 1 Jahrhundert. Also wer noch überlegt, wie er sein Dach nachhaltig bauen möchte, sollte mal in Sarlat vorbei schauen. 

Am Ende musste ich jedenfalls mal Daniel aus dem Museum zerren und er mich aus der Stadt. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen! Und nun geht’s weiter Richtung Mittelmeer. Welchen Tieren wir dann noch begegneten, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Bleibt gespannt!

  • Romy überwacht den Tankvorgang

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Ein Kommentar

  1. Die Gürkies

    Allein schon wegen der Überschrift begeistert mich der Artikel. Giraffen an die Macht, äähhh auf die Dächer!!

    Dann gürkt mal fröhlich weiter in Richtung Mittelmeer – wir sind gespannt auf eure Abenteuer!

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