Wir verließen die Bretagne und brachen in Richtung Île de Ré auf. Dort hatten wir den nächsten Campingplatz gebucht. Die Île de Ré kannten wir bereits aus unserem Frankreich-Urlaub von vor zwei Jahren. Damals waren wir im Juli dort, also in der Hauptsaison. Dieses Mal war es die Nebensaison. Alles in allem war die Île de Ré so schön wie immer. Doch bei manchen Themen besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Haupt- und Nebensaison, wie wir noch feststellen sollten. Dazu komme ich später.
An die Fahrt von der Bretagne zur Île de Ré kann ich mich – nun ein paar Tage später – kaum mehr erinnern.
Sie war sehr unspektakulär. Das galt zumindest für alles, was innerhalb des Fahrzeugs passiert ist. Also da, wo wir drei sitzen. Wir hörten vermutlich Musik oder einen Podcast. Romy schlief sicherlich. Das macht sie meistens, wenn wir fahren.
Außerhalb von unserem Fahrzeug war dafür richtig was los. Dort gab es sprichwörtlich einen Überlebenskampf. An dieser Stelle greife ich für alle, die sich nun zu große Sorgen machen, etwas vor: Ihr könnt euch gleich wieder beruhigen. Es ging alles gut aus.
Wir selbst machten uns auch keine Sorgen, weil wir nichts von der ganzen Dramatik mitbekamen. Erst hinterher merkten wir davon, als wir uns ganz in Ruhe am Zielort auf unserem neuen Parkplatz für die nächsten Tage einrichteten.
Ok, zugegeben, ich hätte es eigentlich wissen sollen. So war ich doch quasi der Verursacher der ganzen Aufregung. Na ja, was soll ich sagen. Ich vergaß es leider kurz vor der Abfahrt wieder.
Ihr fragt euch nun sicher, was genau da los war.
Ich hatte etwas hinter unserem Fahrzeug völlig alleine gelassen. Genauer gesagt an unserem Fahrradträger. So kam es dazu, dass über mehrere Stunden etwas dem Fahrtwind völlig schutzlos ausgeliefert war. Wir sprechen hier immerhin über eine Autobahnfahrt von mehreren hundert Kilometern. Vermutlich regnete es zeitweise sogar. In jedem Fall kamen zum Fahrtwind auch noch Sturmböen dazu. Es ist also ein Wunder, dass alles gut ausging.
Meine Badehose überstand die lange Fahrt erstaunlich gut, obwohl sie nicht im Kleiderschrank lag, wie sonst üblich. Sie ist weder herunter gefallen, noch wurde sie vom Wind ins Weltall geweht. Es ist auch kein Auto über oder gegen sie gefahren. Sie wurde nicht mal dreckig.
Wie konnte es soweit kommen? Ich hatte die Badehose am Abend vor der Abfahrt am Fahrradträger zum Trocknen aufgehängt. Die Wäscheleine war zu diesem Zeitpunkt schon abgebaut. Also schien mir das ein guter Platz. Die ganze Fahrt über sollte sie natürlich nicht dort hängen. Auch war nicht geplant, dass meine Badehose erneut durch den Regen nass wird. Aber am Ende war sie schließlich dann doch wieder trocken – dank der langen Fahrt. Und noch viel wichtiger, meine Badehose war noch da. Also alles richtig gemacht. Dass es auch anders ausgehen hätte können, das überlasse ich gerne eurer Fantasie.
In den Folgetagen machten wir einen Ausflug nach La Rochelle.
La Rochelle ist eine sehr sehenswerte Stadt. Schaut sie euch unbedingt selbst an. Das lohnt sich. Wir waren von den endlosen Arkaden und der Stadtarchitektur sehr begeistert. Es gibt unzählige Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Der Hafen lädt zum Verweilen ein. Alles in allem war es ein wunderschöner Tagesausflug mit unseren Fahrrädern.
Auf der Île de Ré erlebten wir noch einen Nachmittag, von dem ich euch gerne genauer berichten möchte.
Wir liefen den malerischen Sandstrand in der Nähe unseres Campingplatzes entlang und waren etwas hungrig. Um genau zu sein, war Larissa etwas und ich sehr hungrig. Ich ließ mir das allerdings nicht anmerken, was mir tatsächlich nicht immer ganz so leicht fällt. In diesem Fall allerdings schon. Wenn das Meer mit einem spricht, der feinkörnige Sand die Füße leicht kitzelt und sogar die Sonne lächelt, was die Tage davor nicht ganz so oft vorkam, dann ist keine Zeit um dem Hunger zu viel Aufmerksamkeit zu widmen.
Unsere Internetrecherche ergab, dass am Strand mehrere kleinere Gastronomiebetriebe sein sollten. Darunter auch eine Crêperie. Laut Google waren auch alle geöffnet. Also wird sich das mit dem Hunger früher oder später sowieso selbst klären.
Die erste Strandbar existierte augenscheinlich nicht mehr. Da stand nur noch ein verlassenes Häuschen. Pech gehabt, dachten wir und liefen weiter. Der Spaziergang war wirklich wunderschön und somit spekulierten wir einfach auf die nächste Gelegenheit. Auch wussten wir durchaus, dass die Öffnungszeiten in Google mit Vorsicht zu genießen sind, aber irgendein Betrieb wird schon geöffnet sein.
Als auch bei der nächsten Gelegenheit weit und breit niemand zu sehen war, der uns Essen hätte verkaufen wollen, dämmerte es uns so langsam. Liegt das vielleicht an der Nebensaison? Immer noch gut gelaunt liefen wir weiter. Es kann doch nicht sein, dass die Angaben bei Google überall falsch sind. Außerdem sind hier doch noch sehr viele Leute. Die Crêperie da hinten am Ende der Bucht wird schon auf haben. Was gibt es Köstlicheres als hier am Strand in Frankreich einen Crêpe zu essen? Der Hunger geriet nun also doch vermehrt in unseren Fokus und die Vorfreude auf die französischen Pfannkuchen waren entsprechend groß. Na ja, es kam wie es kommen musste, auch die Crêperie hatte leider zu. Am Strand war einfach nichts mehr geöffnet. Da wünschten wir uns kurz die Hauptsaison her.
Wir liefen hungernd vom Strand in das nächste kleine Städtchen.
Die Laune war immer noch gut. Schließlich war mittlerweile sowieso schon fast 18 Uhr und somit rückte das Abendessen in Sichtweite. Als wir im Zentrum ankamen, stellten wir erfreut fest, dass es doch noch Restaurants gab, die scheinbar geöffnet waren. Wir wählten ein Lokal aus und baten um einen Tisch für zwei. Die Antwort war ernüchternd. Der freundliche Besitzer teilte uns mit, dass wir sehr gerne bei ihm essen dürften, allerdings erst ab 19:30 Uhr. Bereits im Restaurant stehend und all die eingedeckten Tische betrachtend, waren wir von der Aussage etwas überrascht und entschlossen uns die Zeit zu überbrücken.
Um sicherzustellen, dass die Laune weiterhin gut blieb, gingen wir nach dem Motto „Safety first“ in die benachbarte Bäckerei und aßen dort eine Kleinigkeit. Es gab nur noch Törtchen. Somit hatten wir also eine süße Vor-Vorspeise, also die Nachspeise vor der Vorspeise oder so ähnlich. Darauf folgte ein kurzer Spaziergang durch den Stadtkern bis es endlich pünktlich um 19:30 Uhr das wohlverdiente, leckere und gemütliche Abendessen gab.
Dass es noch viel kuriosere Dinge als im-Fahrtwind-surfende-Badehosen gibt und das sogar in einem Supermarkt, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Bleibt gespannt!











Na zum Glück war es eine Badehose und keine Unterbuxe!! Da hätte kein Autofahrer mehr die Hände am Steuer lassen können.