Einfuhr exotischer Waren
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Einfuhr exotischer Waren

Vom Périgord in die Occitanie. Der nächste Stopp führte uns nach Gruissan. Endlich waren wir dem Regenwetter entkommen und an der Mittelmeerküste. Juhu! Wir hatten einen Stellplatz direkt am kilometerlangen feinen Sandstrand. Nur leider peitschte hier anstatt Regen der Wind über die Sanddünen. Na, das war dann auch nicht besser. Die Sturmböen waren so heftig, dass nur an einem Tag ein Strandspaziergang möglich war. Mit sandigen Augen kommt wohl nur der liebe Sandmann klar. Wobei, streut der nicht den anderen Sand ins Gesicht? Egal, zurück nach Gruissan. Der Wind tobte und ließ die Regenwolken verschwinden. Aber nach ein paar Tagen waren unsere Ohren fast taub und wir flüchteten eher in den windstillen Van und blöderweise auch mal wieder zum Tierarzt. Denn unser Horror-Szenario war eingetreten: wir in Frankreich beim Tierarzt. Na, dann mal gutes Gelingen! 

Eine sanfte Brise in Gruissan

Seit Sarlat kratzte sich Romy verdächtig häufig.

Hinzu kam eine Wunde am Kopf, die seltsam aussah. Flöhe konnten wir zum Glück ausschließen. Wir machten uns Sorgen und riefen noch in Sarlat beim Tierarzt an um auf dem Weg nach Gruissan einen Termin zu vereinbaren. Nur leider verstand die Dame am Telefon kein Englisch. Oh je! Das konnte ja heiter werden … Mit unseren etwas aufgewärmten Französisch-Kenntnissen schafften wir es dann aber doch irgendwie unser Anliegen wenigstens ansatzweise mit längst verschollen geglaubten Wörtern zu schildern. Nur leider hatte die Arztpraxis keinen Termin mehr frei. Eine neue Arztpraxis musste her. Diese war schnell gefunden. Um uns dieses Mal das Gestottere am Telefon zu ersparen, baten wir die Rezeption um Hilfe. Und siehe da – nach ein paar Minuten hatten wir ein Date beim Tierarzt. Juhuuu!!

Ein paar Stunden später saßen wir mit unseren rudimentären Französisch-Kenntnissen beim französischen Tierarzt im Wartebereich.

Die Arzthelferinnen verstanden sehr wenig Englisch. Ohne Übersetzungs-App wären wir völlig aufgeschmissen gewesen. Ich muss zugeben, dass wir seeeeeehr erleichtert waren als die Tierärztin auf Englisch mit uns sprach. Puh – das wäre sonst echt anstrengend geworden. 

Nach einigen fachmännischen Handgriffen und unserer Schilderungen, legte sie plötzlich ihre Stirn in Falten und stellte uns völlig entsetzt die Frage, wo wir um Himmels willen vor unserem Stopp in Gruissan gewesen waren. Ratlos blickten wir uns an. Wir waren an so vielen Orten gewesen. Da vergisst man schnell mal, wo man zuletzt gewesen war. Wie hieß das doch gleich nochmal … Bretagne … äh nein – das war doch Sarlat. Immer noch entsetzt setzte sie fast wütend nach, dass sie so etwas ja schon seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Unser Herz rutschte in die Hose. Oh je, was hat sich Romy da nur eingefangen? Wieso haben wir nicht früher gemerkt, dass etwas nicht mit ihr stimmt? 

Auf einmal nickte die Ärztin wissend und fragte uns, ob es in der Bretagne und in Sarlat sehr viel geregnet hatte. Ja, woher wusste sie das? Bei ihr bestanden keine Zweifel mehr. Romy hatte Aoutat. Was bitte? Wir schauten uns völlig ratlos an. Die Übersetzungs-App spuckte das allseits bekannte deutsche Wort „Chigger“ aus (kein Witz!). Nachdem ich der Ärztin erklärt hatte, dass das kein deutsches Wort sei, stupste sie mich kichernd an und verschwand erstmal im Nebenzimmer. Was um alles in der Welt ist das? Kurze Zeit später kam sie mit ihrer Handykamera zurück und erklärte, dass ein Parasit Romy befallen hatte.

Wir konnten förmlich spüren, wie die Ärztin nun völlig in ihrer Untersuchung aufging.

Seit ihrer Studienzeit in Paris vor 20 Jahren nicht mehr gesehen und nun endlich war der Parasit aus dem regnerischen Norden auf ihrem Tisch gelandet. Fast freudig machte sie Fotos von Romys Wunde und zeigte uns noch weitere Blessuren, die sie sich vom Kratzen zugefügt hatte. Erst jetzt im Scheinwerferlicht sahen wir, dass Romy übersäht von orangenen Punkten war. Oh mein Gott! Sie waren überall. Eine absolute Katastrophe! Während die Ärztin sich völlig in ihren Forschungen verlor und ständig Fotos machte, machten wir uns große Sorgen. War das auch für uns gefährlich? Sind die blöden Tiere jetzt auch überall im Van? Wie werden wir die je wieder los? Im Geiste überlegte ich schon, wie wir mit einem kleinen Staubsauger die unendlich vielen kleinen Versteckmöglichkeiten überhaupt jemals wieder sauber bekommen sollten. Mein Fazit: Unmöglich! 

Doch dann beruhigte uns die Ärztin und träufelte ein Mittel in Romys Fell.

Nach 48 h seien alle Parasiten abgestorben. Besondere Hygiene-Maßnahmen bräuchten wir nicht einhalten. Das war alles? Wir konnten unser Glück kaum glauben. Äußerst erleichtert atmeten wir aus. Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass es sich wohl um Grasmilben handelte, die für uns ungefährlich waren, da sie – anders als Flöhe – bei ihrem Wirt bleiben. 

Glücklich zogen wir mit der sich kratzenden Madame Milbe von dannen und vertrieben uns die restlichen Tage noch beim Fahrradfahren bei starkem Gegenwind nach Narbonne (max. 13 km/h) bzw. beim Wäsche waschen. Ja, auch das muss mal sein. Und alleine über eine solch banale Tätigkeit, die zu Hause nebenbei geschieht, könnte ich so einiges berichten. Über die lange Suche nach passenden Münzen im französischen Outback, Anleitungen, die zwar die Bedienung einer Waschmaschine beschreiben, diese aber leider nicht vor einem steht, über in-15min-staubtrockene-Wäsche-Trockner bis hinzu Bereichen, die man lieber nicht gesehen hätte, wenn man seine Wäsche dort waschen möchte. Aber das, liebe Leser, wäre dann eine andere Geschichte geworden.

  • Kilometerlanger feiner Sandstrand vor unserer Haustür

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