Unser nächster Campingplatz war in der Nähe von Vias. Dort hatten wir einen Stellplatz direkt am Meer. Uns trennten nur ein paar Steine – zugegeben sehr große Steine – vom Wasser. Es war perfekt um einfach mal zu relaxen. Das Mittelmeerwasser war ungewöhnlich kalt, sodass wir mehr lasen als schwammen. Der tägliche Sprung ins kalte Wasser, wenn auch nur sehr kurz, war dennoch drin. Auch nutzte Larissa unsere perfekte Lage um mit ihrem SUP Board die Küste entlang zu fahren. Romy erkundete wie immer die Umgebung und hielt ausreichend Abstand zum Wasser, auch wenn sie durchaus öfter interessiert in Richtung Meer schaute und die Wellen beobachtete. Anscheinend können Katzen sehr gut schwimmen, aber wir sind froh, dass Romy es nicht ausprobierte.
Eine kleine Besonderheit hatte der Campingplatz für Romy tatsächlich zu bieten.
Sie war dieses Mal nicht die einzige Camper-Katze. Unsere Nachbarn hatten auch zwei Kater. Die Kater sind Berliner Wohnungskatzen und waren daher im Urlaub ausschließlich innerhalb ihres Wohnmobils unterwegs. Somit kam es zu keiner direkten Begegnung zwischen Romy und den Katern. Uns wurde aber berichtet, dass das Interesse der beiden Berliner an Romy durchaus sehr hoch war. Die Kater hatten sich die Nasen wohl an der Scheibe platt gedrückt, wenn Romy am Wohnmobil vorbei schlenderte. Ob Romy den Katern aus der Ferne den Kopf verdrehte oder ob die beiden einfach nur neidisch waren, wird ein Geheimnis unter den Katzen bleiben.
Romy war meistens tagsüber unterwegs. Nachts schliefen wir drei gemeinsam in unserem Camper. So ist zum Glück auch keiner von uns nass geworden als es in einer Nacht so richtig stark regnete. Der Regen prasselte ohrenbetäubend auf unser Dach ein. Es war stellenweise so laut, dass wir unsere eigenen Stimmen nicht mehr hören konnten. Innerhalb von Minuten bildeten sich große Pfützen unter unserem Camper. Wir vertrauten darauf, dass wir mit knapp 3,5 Tonnen schwer genug waren um nicht ins Meer gespült zu werden. Der Spuk war zum Glück innerhalb von 30 Minuten wieder vorbei und hatte wohl in der Umgebung dafür gesorgt, dass am Folgetag teils noch Straßen wegen Überschwemmungen gesperrt waren.
Das Wetter spielte tatsächlich immer mal wieder etwas verrückt.
So waren die Stellplätze in erster Reihe vorne am Meer, also darunter auch unser Stellplatz, eine Woche vorher aufgrund des starken Wellengangs nicht benutzbar. Das Wasser kam wohl deutlich über die Wellenbrecher hinaus und hatte die Stellplätze überspült. Das war zum Glück in unserer Anwesenheit nicht der Fall.
Sehr windige Tage hatten wir leider auch. Das wurde Larissa auf einer Tour mit Ihrem SUP Board fast zum Verhängnis. Larissa wollte unbedingt mit Ihrem Board nochmals raus aufs Meer. Ihr war bewusst, dass sie dabei aufgrund des Windes sehr vorsichtig sein muss. Natürlich bekam sie von mir auch noch den ein oder anderen ungefragten Sicherheitshinweis. Ich versuchte allerdings nicht sie zu überreden es besser sein zu lassen. Ich wollte schließlich kein Spielverderber sein.
Zunächst schien alles sehr gut zu laufen und Larissa kam in Küstennähe sehr gut voran. Sie achtete sehr darauf nicht zu weit aufs Meer hinaus zu fahren. Was teilweise aufgrund der vielen Angler gar nicht so einfach war. Doch plötzlich sah ich, dass Larissa an einer Stelle sehr auffällig und intensiv paddelte ohne voran zu kommen. Sie kam also kaum vom Fleck, blieb aber dennoch sehr ruhig und konzentriert beim Paddeln.
Bei mir startete direkt das Kopfkino.
Was mache ich, wenn sie dringend Hilfe benötigt? Sollte der schlimmste Fall eintreten und sie auf das offene Meer abgetrieben werden, dann rufe ich die Küstenwache. Eine einfache Entscheidung, wenn auch eine Situation, die wir nicht erleben wollten.
Und was mache ich, wenn es nicht ganz so schlimm wird, sie aber dennoch Hilfe braucht um wieder an Land zu kommen? Es waren keinerlei Boote in der Nähe. Auch unsere Nachbarn auf dem Campingplatz hatten weder SUP Boards noch irgendwelche Boote. Kann ich zu ihr schwimmen und ihr dann helfen? Schaffe ich die Strecke überhaupt oder muss mich dann auch noch jemand retten? Es waren nicht mal Schwimmringe oder Schwimmflügel in der Nähe. Mein Fahrrad half uns hier auch nicht weiter. Es ratterte in meinem Kopf, während Larissa mit der Strömung kämpfte.
Je genauer ich hinschaute, umso mehr erkannte ich dann schließlich doch, dass Larissa mit ihren intensiven Bemühungen kleine Fortschritte machte. Sie kam dem sicheren Ufer zentimeterweise wieder näher. Wenn auch nicht der Bucht, an der sie reingegangen war. Aber das war egal, solange sie gleich wieder festen Boden unter den Füßen haben sollte.
Ich eilte also schnell zu der Stelle am Ufer, wo Larissa vermutlich gleich stranden würde. Dort war keine Bucht, sondern nur die Wellenbrecher, welche aus riesigen Felssteinen bestanden. Es war klar, dass sie dort meine Hilfe sehr gut gebrauchen konnte um sich selbst und das SUP Board unversehrt an Land zu bringen. Als Larissa wieder in Hörweite war, kletterte ich die Felsen zum Meer hinunter. Larissa war sichtlich außer Atem und es war tatsächlich an der einen Stelle sehr knapp, wie sie mir nun zurief. Die letzten wenigen Meter bewältigte sie dann ohne Probleme und wir kletterten gemeinsam wieder zurück an das sichere Ufer.
An Land waren wir selbstverständlich auch wieder mit unseren Fahrrädern unterwegs.
Entlang des Canal du Midi fuhren wir gemeinsam von unserem Campingplatz nach Béziers. Larissa verbrachte dort ihren Tag und schlenderte durch die zahlreichen Gassen. Ich verabschiedete mich nach unserem gemeinsamen Frühstück und fuhr wieder zurück nach Vias um von dort aus noch weiter in das Hinterland zu fahren. Alles in allem fuhr ich an diesem Tag ca. 130 Kilometer mit dem Rad.
Warum wir bei unserem nächsten Stop weniger unsere Räder, dafür ein anderes Transportmittel nutzten, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.



Danke für die Eindrücke und Bilder🥰