Tierisch viel Luxus
Tierisch viel Luxus

Tierisch viel Luxus

Dieses Mal wurden Daniel und ich von lästigen Biestern geplagt und nicht Romy. Millionen von Moskitos belagerten unseren Stellplatz im Hinterland der Côte d’Azur. Draußen sitzen oder kurz stehen war undenkbar. Da ich wie das El Dorado für Mücken dufte, huschte ich eigentlich nur noch wie ein Schatten zwischen Auto und Sanitärbereich hin und her. Die meiste Zeit hielt ich mich im nahezu mückenfreien Van auf. Jede Türöffnung wurde genauestens geplant und auf ein Minimum beschränkt, denn – kein Witz – trotz Moskitonetz waren nach jeder kurzen Türöffnung ca. 5 Moskitos im Van. Unsere neuen Hobbys vor dem Schlafengehen waren „Opfer-spielen“ und „Moskito-finden-und-eliminieren“. Denn nichts ist doch ätzender beim Einschlafen als dieses nervige Gesumme im Ohr zu hören. Ihr kennt das doch bestimmt.

Einige fragen sich jetzt bestimmt, wieso wir uns diese Mückenplage überhaupt angetan haben und nicht einfach weiter gefahren sind. Unglücklicherweise war in Frankreich für die nächsten Tage Dauerregen vorhergesagt. Nur die Côte d’Azur stach wie eine Rettungsinsel hervor. Dort sollte es wenigstens nur ab und zu regnen. Also entschieden wir uns für einen großen Campingplatz im Hinterland mit einer guten Infrastruktur. So konnten wir die Schlechtwetterphase entweder mit kleinen Tagesausflügen oder im Swimmingpool überbrücken. An eine Stechmückenplage hatten wir dabei allerdings nicht gedacht. Und wir hatten auch nicht damit gerechnet, dass wir zum Wäsche waschen (ja, es wurde mal wieder Zeit) eine Halbtageswanderung auf uns nehmen mussten. 

Der Campingplatz war so riesig, dass es vor dem Campingplatz-Restaurant ausgewiesene Parkplätze für Gäste gab.

Anfangs belächelten wir das – bis wir uns selbst mit schwerem Wäschesack bepackt zu Fuß den Berg hoch kämpften. Nach dieser einmaligen schweißtreibenden Tour fuhren auch wir mit dem Auto zur Waschmaschine. Ja, ihr habt richtig gelesen. Mit dem Auto, allerdings nicht mit unserem Van. Denn zum Glück hatten wir bei der Hinfahrt zum Campingplatz unseren Fuhrpark erweitert. 

Wir hatten uns einen Mietwagen organisiert. Die Abwicklung vor Ort am Flughafen in Toulon verlief unproblematisch. Wir freuten uns riesig endlich wieder einen kleinen fahrbaren Untersatz zu haben bis ich das erste Mal hinter dem Steuer saß und das Auto starten wollte. „Secondary Collision Brake System Malfunction. Visit your Dealer.“ leuchtete dort groß auf dem Display auf. Das hörte sich ganz und gar nicht nach Safety First an. Also ging ich zurück zum Schalter. Dort standen zwei Herren, denen ich erklärte, dass ein Fehler aufleuchtete, sobald ich das Auto starten wollte. Die beiden schauten mich ungläubig an. Es war doch ein Neuwagen. Das konnte nicht sein.  

Nach ein paar Minuten hatte ich einen der Herren überzeugt widerwillig seinen Platz hinter dem Schalter vor den Schalter zu verlegen und mich zum Mietwagen zu begleiten.

Sinngemäß rief er beim Loslaufen noch seinem Kollegen etwas auf französisch hinzu, dass er die Lappalie gleich wieder im Griff hätte bis er selbst hinter dem Steuer saß und begriff, dass ich doch wusste, wie man ein Auto startet und der Fehler auch bei ihm aufleuchtete. Das Gute nach diesem kleinen Ärgernis: wir bekamen ebenfalls einen Neuwagen, allerdings die Geländewagen-Automatik-Variante. Das erwies sich noch als äußerst praktisch an der kurvenreichen Côte d’Azur.

Denn wir hatten für die nächsten Tage einen Plan, den man nur mit einem kleinen Auto umsetzen konnte: Einmal die Côte d’Azur entlang bis nach Monaco. Uns gefiel der Gedanke: Wir zwei mit unseren Campingplatzbändchen im reichen Monaco. Dass es dort im näheren Umfeld keinen Campingplatz gibt, muss ich nicht erwähnen. Wobei jetzt habe ich es ja doch erwähnt?

Die Mietwagen-Lösung war jedenfalls nicht nur eine schöne Abwechslung, sondern für uns auch die praktischste. Ich kann euch sagen, dass ich nach der langen Zeit schon Entzugserscheinungen hatte. So ein „Alltagsauto“ ist einfach ein toller Luxus, also freut euch über eure Autos. Wir konnten endlich problemlos mitten in den Stadtzentren in der Tiefgarage parken. Und weil wir so im Luxus schwelgten, mussten wir an einem Abend sogar für 1h parken den Tagespreis zahlen, weil ich blöderweise unser Parkticket verloren hatte. Solch ein Fauxpas passiert, wenn man das Ticket fahrlässig in der Tasche der lässigen Freizeithose verstaut und man seinen Ehemann noch beschwichtigt, dass man das Parkticket sicher verstaut hat.

Genug davon – jetzt geht’s auf nach Monaco.

Die Fahrt dorthin versüßten wir uns mit einem englischen Navigationssystem das die französischen Straßennamen englisch aussprach. Eine sehr unterhaltsame Denksportaufgabe. Könnt ihr selbst auch mal ausprobieren. Eine kleine Kostprobe haben wir extra für euch aufgenommen. 

Franzenglischour navigation system en France

Angekommen in Monaco besuchten wir den Fürstenpalast und das Meereskundemuseum. Beides sehr sehenswert, insbesondere das erste U-Boot der Welt und die interaktive Ausstellung (siehe unten). Ansonsten staunten wir, wie man auf so engem Raum so viele Gebäude bauen kann (ein Anblick wie im Wimmelbuch) bis uns letztendlich vor dem Casino in Monte-Carlo die Spucke wegblieb. Hier erlebt man die ganze Pracht von Monaco. Prunk, Protz und Geld versammeln sich auf diesem kleinen Fleckchen Erde. 

Völlig mittellos ging’s mit unseren Campingplatzbändchen zu Fuß zurück zu unserem Mietwagen. Vorbei an den Luxusyachten der Superreichen und einen Teil der Formel-1 Rennstrecke. Wer übrigens mal von einer Yacht fallen sollte und Angst hat vor Haien gefressen zu werden, den kann ich nach dem Besuch im Meereskundemuseum beruhigen: ca. 800 000 Menschen sterben jährlich von Moskitostichen, während nur ca. 10 durch Haie sterben. Nach dieser Erkenntnis könnt ihr euch schon auf unser letztes Etappenziel freuen. Ich sage nur so viel: Unsere Anfahrt auf die Lofoten war im Vergleich dazu ein Kindergeburtstag. Bleibt gespannt!

Unsere Tour durch Monaco
  • stilecht mit Campingplatzbändchen nach Monaco

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