Nach unserer Abfahrt in Galtström, überprüften wir das Wetter unseres Etappenziels. Zum jetzigen Zeitpunkt purer Sonnenschein bei um die 20°C. Perfekt! Nur es gibt ja immer einen Haken: wir waren leider nicht dort, sondern noch hier, also nicht dort, sondern hier. Kurz gesagt: noch viel zu weit entfernt.
Gegen Ende der Woche drohte dort ein Wetterumschwung. Mist! Bei unserem derzeitigen Tempo würden wir unser Etappenziel bei Regen und Kälte erkunden. Wahnsinnig verlockend! Also lautete unser Motto für die nächsten Tage: richtig Strecke machen.
Mit müden Augen steckten wir uns früh morgens das Ziel 766 km bis zu unserem nächsten Übernachtungsplatz zu fahren.
Mit Romy an Bord eine doppelte Herausforderung. Und bei einer maximal erlaubten Geschwindigkeit von 100 km/h braucht man seine Zeit. So ein Schneckentempo sind wir Raser in Deutschland ja gar nicht mehr gewohnt.
Auf unserem Weg durch Lappland wurden die anfangs zweispurigen Straßen nur noch einspurig. Zahlreiche Rentiere grasten gemütlich am Straßenrand und beschnupperten in aller Seelenruhe die vorbeidonnernden LKWs.
Während Romy die Fahrt überwiegend friedlich verschlief, erreichten wir beide völlig müde und erschöpft spät abends unser Übernachtungsziel: den Berg Dundret. Laut einer App konnte man dort übernachten. Nun standen wir also an der Auffahrt und beäugten die rätselhaften Schilder. Es gab Verbots- und Hinweisschilder. Wir verstanden nur Bahnhof und rätselten, ob es nun erlaubt war hochzufahren oder nicht. Die steile Straße, die ins Nichts zu führen schien, lud auch nicht gerade ein den Berg zu erklimmen. Noch dazu war niemand vor Ort. Es gab nur uns, die Nacht äh den Tag – nein die Nacht bei Tag – egal … und den Wald bzw. die Straße. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also hoch da!
So ruckelten wir im 2. Gang den Berg hinauf.
Oben angekommen fanden wir niemanden, der dort parkte oder übernachtete. Anstatt uns zu freuen, dass wir die Einzigen waren, fragten wir Abenteurer uns, was mit diesem Platz nicht stimmen konnte.
Wieso war hier niemand? Darf man hier gar nicht hochfahren / parken / übernachten? Eine Sturzflut von Fragen brach über uns herein. Wir sind halt schon komische Paradijsvogels …
Etwas verunsichert steuerten wir dennoch wagemutig den Parkplatz an und erblickten schon nach kurzer Zeit mehrere Rentiere, die gemütlich auf und um den Parkplatz spazierten. Sind Rentiere gefährlich? Steht deshalb niemand hier? Unser abstruses Gedankenkarussell drehte inzwischen völlig durch. Was sollten Rentiere schon anrichten? In unsere Reifen beißen? Steine auf unsere Windschutzscheibe werfen? Uns mit ihren niedlich tapsenden Hufen nieder trampeln?
Die Farce endete als sich nach ca. 5 Minuten ein Van mit zu uns auf den Parkplatz gesellte.
Juhu – wir sind nicht alleine. Am Arsch der Welt, aber nicht alleine. Eigentlich wollen wir ja immer alleine stehen, aber irgendwie ist es zusammen dann doch etwas beruhigender – für uns zumindest.
Die Niederländer (laut Autokennzeichen) entpuppten sich als Deutsche, die in Schweden wohnen, aber in der Niederlande arbeiten. Krass, was für ein Leben manche führen. Die beiden waren schon öfters in der Gegend unterwegs gewesen und kannten den Stellplatz. Übernachten war also problemlos möglich. Als sie uns dann noch augenzwinkernd anboten, dass wir bei Gefahr jederzeit bei ihnen anklopfen konnten, atmeten wir erleichtert auf. Es geht doch nichts über eine tolle Nachbarschaft!
Der Stellplatz war einer der schönsten Stellplätze unserer bisherigen Reise. Wir beobachteten Rentiere, die 10 m von uns entfernt grasten. Romy saß dabei ehrfürchtig neben uns im Gras. Welche europäische Kurzhaarkatze konnte sowas schon erleben? Und diese absolute Ruhe. Kein Verkehrs- oder Zivilisationslärm, nur das leise Summen der Biene in unmittelbarer Nähe. Welch ein Glück, dass wir 3 das zusammen erleben durften!
Gegen später gesellte sich auch noch ein dritter Van zu uns – aus Aalen. Na, wenn das mal kein Gruß aus der Heimat war. Mit dem Insassen des Autos (Hund) lieferte sich Romy noch einen Wettkampf (Wer-zuerst-wegschaut-verliert).

Ansonsten verlief der Abend mehr als ruhig und wir kuschelten uns alle zusammen glücklich in unsere Decken, denn am nächsten Tag stand uns die bisherig anstrengendste Fahrt bevor.
Die alte Weisheit stammt schon mal: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wärt Ihr nicht hoch gefahren, hättet Ihr etwas sehr schönes verpasst. Ich denke, wenn Ihr allein geblieben wärt, wäre es bestimmt etwas mulmig geworden und Romy hätte keinen “ Augengegner “ gehabt. Wenn Ihr zu Hause seid und der kleine Hund von unserer Tochter da ist, ist der auch immer ganz aufgeregt. Hinter der Scheibe ist er stark, aber in Natur wiegt er sich lieber in Deckung.
😀
Vielen Dank für deine tollen Kommentare.
Was für eine Weite & Freiheit – und wie Romy durchs Gras hopst!! Herrlich!! Gute Weiterfahrt euch.
🙏
Und weiter geht’s zum Nordkap? 🤔
mhm… wer weiß …
Hi Ihr Lieben 🫶 tolle Erlebnisse, freue mich sehr für Euch ☺️😘😘😘😘
Ich tippe auch auf Nordkap! 🙂 Schöne Reiseberichte von euch dreien.
🙏
wer weiß das schon …
Das freut uns sehr! 😘😘