Ja, wir geben es zu. Nicht alle unsere Stopps verlaufen planlos. Den nächsten Stopp hatten wir bereits innerhalb der ersten Wochen unserer Tour gebucht. Wir wollten uns unbedingt einen schönen Stellplatz direkt am Meer sichern. Daher war der Zeitraum für die erste Hälfte unserer Tour in den Norden schon zu Beginn unserer Tour grob abgesteckt.
Nun waren wir also auf dem Weg zu besagtem Stellplatz in die Bretagne. Ich sage euch, es war ein Träumchen. 24h Wellenrauschen, tolle Sonnenuntergänge und eine schnuckelige Badebucht. Was will man Meer? Trélévern und Perros-Guirec entpuppten sich als kleine ruhige Orte. Romy konnte völlig ungestört durch angrenzende Wiesen pirschen und war eine erfolgreiche Einkäuferin äh Jägerin. Es gab (leider) nicht nur einmal ein 4-beiniges-Geschenk von ihr … Wenn sie nicht gerade einkaufen äh jagen war, sah sie sich den Strand an (wahrscheinlich eher die Vögel).
Auch für Unterhaltung war gesorgt.
Romy übte sich beim Fußball spielen oder springen, was gleichzeitig auch unseren niederländischen Nachbarn ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Und wir veranstalteten unser erstes Freilichtkino. Einfach sensationell, was mit einem Beamer und einer weißen Fahrzeugwand so alles möglich ist …
Unser Kochlöffel blieb eher in der Schublade. Im nächsten Ort gab es ein tolles Café, das (für uns zumindest) die weltbesten Tartes machte. Und wenn wir uns ausnahmsweise mal nicht von Süßigkeiten ernähren wollten, bedienten wir uns an einem Essensautomaten. Jetzt denkt ihr euch bestimmt, wie kann man nur? Im Land der Haute Cuisine und die beiden gehen an einen Automaten … tss… Aber das liebe Freunde, war ein superduper-Feinschmecker-5-Sterne-Gourmet-Automat. Ein Paar hatte die Idee Essen in Weckgläsern anzubieten, das man an einem 24h-Automat in einer Mikrowelle erwärmen konnte. Alles war selbst gekocht und oberlecker.
Wir machten es uns zur Gewohnheit auf unseren Fahrradtouren an diesem Automaten ganz zufällig vorbeizufahren.
Und so kam es, dass wir dort schon als Stammgäste anerkannt wurden. An unserem letzten Besuch in unserem 24h-5-Sterne-Restaurant parkten wir unsere Fahrräder vor dem nebenstehenden Gebäude. Wir hatten gerade unser Essen in der Mikrowelle warm gemacht und die Gabel war bereits auf dem Weg zum Mund als ein älterer Herr aus dem Nachbarhaus zielgerichtet auf uns zu spazierte. Ob der uns wohl jetzt ermahnen möchte, dass wir unsere Fahrräder doch woanders parken sollen? Wahrscheinlich befinden wir uns auf Privatgelände. In Frankreich hatten wir schon einige Parkverbots-Schilder für Fahrräder gesehen. Nicht überall waren Fahrradfahrer gern gesehen. Na toll, das kann ja heiter werden.
Er kam näher und näher und rief uns nun etwas auf Französisch zu, dass wir mit unseren mittlerweile sehr verstaubten Französisch-Kenntnissen aus grauer Vorzeit nicht verstanden. Daniel stellte gleich mal mit „Parlez-vous anglais?“ klar, dass wir Touristen waren, die mit Englisch wesentlich besser klar kamen. Der Franzose schaute uns mit hoch gezogenen Augenbrauen ratlos an, überlegte kurz und sagte dann: „Je ne comprends rien.“ Das muss das Alter sein. Wahrscheinlich hört er schlecht, also wiederholte Daniel seine Frage. Doch er schüttelte wieder den Kopf und sagte „Je ne comprends rien.“
So langsam kamen uns Zweifel, ob wir überhaupt noch wussten, wie man auf Französisch fragt, ob jemand Englisch sprechen kann. Ein schneller Blick in unsere Übersetzungs-App räumte die Zweifel aus. Wieso versteht er uns nicht? Es muss am Gehör liegen, also wiederholte Daniel seine Frage nun deutlich lauter. Mittlerweile war der ältere Herr nur noch 10 cm von uns entfernt (am Gehör konnte es also nicht mehr liegen) und wieder bedeutete er uns, dass er uns nicht verstehe. Wir waren ratlos.
Einige Sekunden später legte er in tiefstem Französisch los. Wir verstanden kein Wort. Schul-Französisch und „Französisch in der Praxis“ ist eben doch nochmal eine andere Hausnummer. Wir schauten ratlos und der Mann erzählte und erzählte bis er auf einmal zu dem Gebäude lief, wo unsere Fahrräder parkten und die Tür aufschloss. Na super, jetzt will er bestimmt, dass wir das Gelände verlassen. Aber nein, kurz darauf zeigte er auf einen Stuhl.
Und da dämmerte es uns.
Der ältere Herr wollte uns Stühle zum Sitzen anbieten. Er hatte bemerkt, dass wir im Stehen aus unseren Weckgläsern essen wollten. Dabei waren wir absichtlich stehen geblieben, weil wir beim Fahrrad fahren ja sowieso noch genug sitzen würden. Wir lehnten daher dankend ab und der Mann zog sich schmunzelnd wieder in sein Haus zurück. Als wir fertig gegessen hatten, winkten wir uns gegenseitig zum Abschied. Welch ein netter gastfreundlicher Mann! Zusammen mit der Mitarbeiterin des Monats belegt dieser ältere Herr den ersten Platz im Ranking der „freundlichsten-Menschen-unserer-Tour“. Nun aber weiter zum nächsten Stopp. Dass wir dabei bereits auf der Fahrt dorthin mal wieder richtig Glück hatten, ist eine andere Geschichte. Bleibt gespannt!









Hey das ist ja spannend bei euch 🙂 Viel Spaß noch in den letzten Wochen/ Tagen. Bis bald 🙂 Liebe Grüße
Hi Bettina,
vielen lieben Dank! Das machen wir 😉
Bis bald 🙂
….super erzählt. Ich danke euch für die Unterhaltung und freue mich schon auf`s nächste Mal
Danke 🥰